Oh, welch ein Geschrei!


Kennt Ihr dieses Gedicht noch?


Bewaffneter Friede (von Wilhelm Busch)

Ganz unverhofft, an einem Hügel,
Sind sich begegnet Fuchs und Igel.

Halt, rief der Fuchs, du Bösewicht!
Kennst du des Königs Ordre nicht?
Ist nicht der Friede längst verkündigt,
und weißt du nicht, daß jeder sündigt,
Der immer noch gerüstet geht?
Im Namen seiner Majestät
Geh her und übergib dein Fell.

Der Igel sprach: Nur nicht so schnell.
Laß dir erst deine Zähne brechen,
Dann wollen wir uns weiter sprechen!

Und allsogleich macht er sich rund,
Schließt seinen dichten Stachelbund
und trotzt getrost der ganzen Welt,
Bewaffnet, doch als Friedensheld.


Tja, der Igel hat wieder einmal seine Stacheln gezeigt. Die DVRK, hierzustaate besser als Nordkorea bekannt, hat erneut erfolgreich einen unterirdischen Nuklearwaffentest durchgeführt. Und Anfang April durch einen Satellitenstart gezeigt, daß sie über Trägersysteme verfügt, jeden Fuchs, der ihr ans Leder will, zu Hause in seinem Fuchsbau zu treffen. Und schon jaulen die globalen Füchse laut auf.

Zu meinem Bedauern bläst selbst die junge Welt, die einzige sozialistische Tageszeitung in der BRD, in dieses antikommunistische Horn. Da ist die Rede von „Zündeln", „nordkoreanischen Mutproben" und „wenn Pjöngjangs atomare Muskelspiele ein wenig halbstark anmuten". Zu allem Überfluß wird auf der Titelseite auch noch der abrüstungspolitische Sprecher der Linksfraktion im Bundestag, Paul Schäfer, zitiert. Der faselt von „Großmachtsphantasien eines rücksichtslosen Diktators", womit er wohl den Genossen Kim Jong Il meint. Dieser „LINKE" sollte sich wenigstens mal einen Weltatlas zulegen und über die Lage, Größe und Bevölkerungszahl der DVRK informieren. Worüber er sich auch informieren sollte, sind Lage, Größe, Bevölkerungszahl und nukleare Bewaffnung der USA sowie deren Großmachtrealität. Und die USA sind der einzige, von Nuklearwaffen nur so starrende Staat, welcher bereits Nuklearwaffen gegen zivile Städte eingesetzt hat. Als Dresdner sollte man sich auch bewußt sein, daß Dresden nur deshalb nicht von einer Atombombe getroffen wurde, weil sie Anfang 1945 noch nicht einsatzbereit war.

Nuklearwaffentests sind, trotz aller technologischen Fertigkeiten der nordkoreanischen Genossen, notwendig, um die Funktionsfähigkeit zu erproben. Und Nuklearwaffen kann man nicht leise testen. Nordkorea würde wenig nutzen, große Lager von Wattebällchen anzulegen, um Aggressoren damit zu bewerfen. Wattebällchen muß man zwar nicht testen oder könnte das äußerst leise und unbemerkt tun, dafür schrecken sie aber auch keinen Angreifer ab.

Nordkoreanische Genossen sagten mir auch, daß die eigene Entwicklung von Nuklearwaffen und Trägersystemen notwendig ist, da auf den vertraglichen Bündnispartner China kein Verlaß ist. Und wie aufs Stichwort bestätigte die chinesische Führung diese Erkenntnis. China hatte nichts Besseres zu tun, als einstimmig mit den imperialistischen Großmächten im UN-Sicherheitsrat den Nukleartest der DVRK zu verurteilen.

Etwas schmunzeln mußte ich über die Ankündigung, die Sanktionen gegen die DVRK zu verschärfen. Die DVRK steht bereits unter den schärfsten Embargos der Imperialisten. Mit etwas zu drohen, was ohnehin längst Realität ist, gleicht der Drohung eines Würgenden an den Gewürgten, ihn zu würgen, wenn er den Widerstand nicht aufgibt.

Herzlichen Glückwunsch an das Nordkoreanische Volk und seinen geliebten Führer Kim Jong Il! Ihr habt wieder einmal bewiesen, daß Ihr weder erpreßbar noch bestechlich seid und Euch gegen jeden Feind auf dem höchsten Stand der Verteidigungstechnologie konsequent zur Wehr setzen werdet.



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Das Umdenken